Bedeutung der börsenkotierten AG
Im speziellen Fokus des Gesetzgebers und der Minder-Initiative stehen die börsenkotierten Schweizer Aktiengesellschaften. Mit der Minder-Initiative würden die Rahmenbedingungen für die börsenkotierten AG drastisch verschlechtert. Doch was steht auf dem Spiel? economiesuisse hat eine Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der börsenkotierten Schweizer Aktiengesellschaften in Auftrag gegeben.
Bei den börsenkotierten Schweizer Aktiengesellschaften handelt es sich um rund 300 Unternehmen. Nahezu alle Kantone beheimaten börsenkotierte AG.
Volkswirtschaftliche Bedeutung der börsenkotierten Schweizer Aktiengesellschaften
Börsenkotierte Schweizer Aktiengesellschaften bilden einen Pfeiler der international ausgerichteten Schweizer Wirtschaft. Sie beschäftigen direkt elf Prozent aller Erwerbstätigen in der Schweiz und erarbeiten zwischen 16 und 18 Prozent des schweizerischen Bruttoinlandprodukts. Sie sind für 31 Prozent aller Warenexporte verantwortlich und beschäftigen etwa 54 Prozent des im Ausland tätigen Personals von schweizerischen Unternehmen. 51 Prozent aller Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der Schweizer Privatwirtschaft werden von börsenkotierten Unternehmen erbracht und sie kommen für 42 Prozent der schweizerischen Unternehmenssteuern auf. Börsenkotierte Schweizer Aktiengesellschaften beschäftigen mehr Personal, haben erheblich produktivere Arbeitsplätze, zahlen höhere Bruttolöhne und sind forschungsorientierter als der Durchschnitt der Schweizer Firmen. An der Börse kotierte Schweizer Gesellschaften sind vielfach Grossunternehmen in einer fortgeschrittenen Phase der Internationalisierung. Sie produzieren weltweit an verschiedenen Standorten und bedienen entsprechend die Auslandmärkte auch von ihren ausländischen Produktionsstätten. Die Schweiz ist Standort ihres Headquarters und auch ein wichtiger, aber nicht der einzige Forschungsplatz. Ein grosser Teil der Produktion findet zwar im Ausland statt, die Produktion im Inland bleibt aber für die Schweiz bedeutsam.
Beschäftigung
Die börsenkotierten Aktiengesellschaften beschäftigen über 350’000 Mitarbeitende (in Vollzeitäquivalenten) in der Schweiz. Das macht rund elf Prozent aller Beschäftigten in der Schweiz aus. Innerhalb des Finanzdienstleistungssektors sind sogar 46 Prozent und innerhalb der Pharma- und Chemiebranche 42 Prozent der Beschäftigten bei börsenkotierten Unternehmen angestellt. Wird ausschliesslich die Kategorie Aktiengesellschaften betrachtet, so beschäftigen die börsenkotierten Aktiengesellschaften einen Fünftel aller Beschäftigten dieser Gesellschaftsform.
Anteil der börsenkotierten Aktiengesellschaften an der Beschäftigung
Wertschöpfung
Innerhalb des marktwirtschaftlichen Bereichs sind die börsenkotierten Schweizer Aktiengesellschaften für rund einen Fünftel der gesamten Wertschöpfung verantwortlich. Der durch die börsenkotierten Schweizer Unternehmen erwirtschaftete Anteil am gesamten Bruttoinlandprodukt betrug im Jahr 2007 achtzehn Prozent, im Krisenjahr 2008 noch sechzehn Prozent (vgl. Grafik 2). Im Industriesektor ist der Anteil höher als im Dienstleistungssektor.
Anteil der börsenkotierten Aktiengesellschaften an der gesamten Wertschöpfung
Exporte
Die börsenkotierten Schweizer Aktiengesellschaften exportieren von ihren Standorten in der Schweiz Güter im Wert von 63 Milliarden Franken und sind damit für 31 Prozent der schweizerischen Warenexporte verantwortlich.
Forschung und Entwicklung
Die börsenkotierten Aktiengesellschaften sind die Hauptträger der privaten Forschung und Entwicklung (F+E) in der Schweiz. Sie investieren jährlich etwa 6,7 Milliarden Franken in F+E und erbringen damit 51 Prozent der F+E-Aufwendungen der Privatwirtschaft. Mit 5,4 Milliarden Franken tragen die Chemie- und Pharmaunternehmen den Hauptteil dieser Aufwendungen. Die börsenkotierten Schweizer Aktiengesellschaften betreiben F+E jedoch multinational, und die Schweiz ist nur einer von mehreren Forschungsstandorten. Weltweit bezahlen sie über 24 Milliarden Franken für F+E und tätigen 28 Prozent der F+E-Aufwendungen in der Schweiz. Bei der Maschinenindustrie ist dieser Anteil etwas höher als in der Chemie- und Pharmaindustrie.
Anteil der börsenkotierten an den F+E Aufwendungen der Privatwirtschaft
Unternehmenssteuern
Die börsenkotierten Schweizer Aktiengesellschaften sind auch für den Fiskus bedeutend. Sie bezahlen zusammen in der Schweiz rund 7,5 Milliarden Franken an Steuern. Damit kommen sie für über 40 Prozent aller in der Schweiz bezahlten Unternehmenssteuern auf. Dieses Ergebnis der Studie passt ins Bild, das die Daten der Eidgenössischen Steuerverwaltung zeigen: Demgemäss kommen die profitabelsten 2,7 Prozent der juristischen Personen für 90,8 Prozent der Einnahmen der direkten Bundessteuer auf. Ebenfalls in dieses Bild passen die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie von economiesuisse und PricewaterhouseCoopers, wonach alleine 58 der 500 grössten Firmen in der Schweiz Unternehmenssteuern in Höhe von 4,5 Milliarden Franken bezahlen.
Anteil der börsenkotierten Aktiengesellschaften an den Unternehmenssteuern
Zulieferer profitieren von den börsenkotierten Aktiengesellschaften
Die Klein- und Mittelbetriebe und die Grossunternehmen in der Schweiz sind traditionell eng miteinander verflochten. Auf der einen Seite sind die Grossunternehmen auf qualitativ hochstehende Dienstleistungen sowie auf das Know-how und die Innovationskraft der KMU angewiesen. Auf der anderen Seite profitieren KMU dank zahlreicher Beratungs-, Dienstleistungs- und Lieferaufträge von den grossen Firmen. Da Unternehmen Vorleistungen von anderen Unternehmen beziehen, löst die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen bei den Vorleistungsproduzenten zusätzliche Lieferungen und damit Wertschöpfung und Beschäftigung aus. Die von börsenkotierten Unternehmen ausgehenden indirekten Effekte sind gesamtwirtschaftlich bedeutsam. Mehr als 250’000 Arbeitskräfte und eine Wertschöpfung von zirka 31 Milliarden Franken werdenüber die Zulieferketten in der Schweiz geschaffen. Mit dem Einbezug der durch die Vorleistungen ausgelösten Effekte steigt der Anteil dieser Unternehmen an der Bruttowertschöpfung der Schweiz von 17 auf 23 Prozent und an der Beschäftigung von zehn auf 17 Prozent (Durschnitt 2007/2008).









